Kilinochchi

In unserem Land darf es keine Menschen ohne Zugehörigkeit geben

Ausgehend von dieser Vision des nationalen Führers von Tamileelam, Kinder zu verantwortungsbewussten, gemeinschaftsorientierten Gestaltern der Zukunft zu formen, wurde am 22. Oktober 1991 das Kinderheim Sencholai gegründet.

Das Heim Sencholai wurde mit dem Ziel geschaffen, ein Modell und Experimentierfeld für eine neue, fortschrittliche Bildungsform zu werden. Entsprechend wurde das erste Sencholai-Mädchenheim 1991 in Sathiyapuram (Sandilipay) mit 23 Kindern eröffnet. Trotz mehr als zehn erzwungener Standortwechsel – bis Ende 2008 – blieb die Einrichtung aktiv und engagiert.

In Kilinocchi und später Vallipunam kümmerte sich das Heim besonders um Mädchen, die ihre Eltern und Angehörigen verloren hatten. Es bot ihnen Schutz, Bildung und eine Umgebung, in der sie zu selbstbewussten, charakterstarken jungen Frauen heranwachsen konnten. Eine Schlüsselfigur dieser Arbeit war die Lehrerin Manoranjithamala Rajakumar, die sich unermüdlich für das Wohl und die Entwicklung der Kinder einsetzte.

Am 10. Juli 1991 wurde eigens für die Kinder die Schule Sencholai Mahalin Vidyalayam in Jaffna gegründet. Nach dem Abschluss der schulischen Ausbildung erhielten die Mädchen eine berufliche Qualifizierung: in Schneiderei, Tischlerei, Landwirtschaft, Psychologie, Sport, Fotografie, Ton- und Bildtechnik, Handarbeit, Buchbinderei und Maschinenschreiben.

So konnten jene, die später zu Verwandten zurückkehrten oder verheiratet wurden, durch diese Fertigkeiten ihren Lebensunterhalt verdienen.
Auch in kulturellen Bereichen wurden sie ausgebildet – in Tanz, Tamilischer Musik, Malerei, Karate und Pfadfinderwesen, sowie im Spielen verschiedener Instrumente. Zu den Lehrern gehörten Kannan Master, Murali, Sothi Master, Gobi, Sachi Master und die Kunstlehrer Kannan, Oviyanathan, Ilango und Dominic Jeeva.

Die gesamte Organisation und Finanzierung von Sencholai lag in den Händen der Liberation Tigers of Tamileelam (LTTE), während auch Tamilen in der Diaspora unterstützten.
Seit seiner Gründung 1991 in Sandilipay musste das Heim viele Male umziehen: nach Manipay, Kopay, Ariyalai, Mathuwil, Kilinocchi, Mallavi, Vadakadu, Puthukudiyiruppu-Iranai Palai, Kaiveli, Vallipunam und schließlich wieder nach Kilinocchi und Puthukudiyiruppu.

In den Jahren 1996–1998 fanden der Unterricht und das tägliche Leben oft unter Bäumen oder in provisorischen Hütten statt. Besonders in den Jahren 1993–1994 erreichten die Kinder große schulische Erfolge. Als die Leiterin Manoranjithamala gefragt wurde, ob die Kinder später in den bewaffneten Kampf geschickt würden, antwortete sie:
” Das ist eine böswillige Lüge. Wir ziehen Kinder von klein auf groß – mit enormen Kosten und Hingabe. Niemand weiß, wie die Lage in 18 Jahren sein wird. Wenn wir sie wirklich nur zu Kämpfern erziehen wollten, müssten wir keine Schulen, Heime oder eigene Bildungsprogramme betreiben. Dann könnten sie gleich in den Lagern aufwachsen”.

Über 100 Kinder wurden später zu ihren Angehörigen zurückgeführt. „Wenn wir sie für den Kampf bestimmt hätten, hätten wir sie nie zu ihren Familien zurückgeschickt“, sagte sie weiter.
Zwischen 2004 und 2006 lebten insgesamt 239 Kinder im Heim – sieben unter sechs Jahren, 62 im Alter von 7 bis 12 Jahren, 120 zwischen 13 und 18 Jahren und 50 über 19 Jahren.

Am 14. August 2006 wurde das Sencholai-Heim durch einen Luftangriff der Kfir-Kampfflugzeuge bombardiert. Dabei kamen 61 Kinder ums Leben – ein Tag tiefster Trauer für das tamilische Volk. Im Jahr 2009, als der militärische Angriff auf Tamileelam begann und der tamilische Genozid verübt wurde, wurde auch das Sencholai-Heim vollständig zerstört.
Übersetzt von: Kajan

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